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Ausbildung verursacht keine Kosten, sondern Investitionen

Umbrüche in der Arbeitswelt, kürzere, flexiblere Ausbildungen, das sind oft die Stichworte, wenn es um die Zukunft der Dualen Berufsausbildung geht. Haben die Hauptschüler da noch eine Chance? Impuls-Mitarbeiter Gerhard L. Endres sprach mit dem ehemaligen VW-Weltbetriebsrat und heutigen AUDI-Personalvorstand Dr. Werner Widuckel über die Chancen von Hauptschülern in der Autoindustrie.

Impuls: Herr Widuckel, die AUDI AG setzt auf die Hauptschüler und deren Qualifikation. Kurzausbildungen werden in der Öffentlichkeit oft gefordert.
Warum braucht Audi etwas anderes?

Widuckel: Bei der Weiterentwicklung der Berufsbilder brauchen wir mehr Flexibilität, da sich die beruflichen Inhalte schnell verändern. Ein Plädoyer für Module in der Ausbildung setzt dabei auf mehr Flexibilität, aber nicht auf eine Ausdünnung der Ausbildungsinhalte. Audi baut auf technische Innovationen und ist wachstumsorientiert. Wir brauchen eine hohe Kompetenz und Motivation der Mitarbeiter. Wir legen großen Wert auf eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung, die die Beruflichkeit wie auch die Identifikation der Mitarbeiter mit der AUDI AG in den Vordergrund stellt.

Impuls: Was müssen die Hauptschüler mitbringen?
Widuckel: Wir erwarten von den Hauptschülern eine hohe Motivation und Leistungsbereitschaft für den angestrebten Beruf. Sprachkompetenz ist ein sehr wichtiges Thema, und das beziehe ich nicht nur auf eine Fremd-, sondern vor allem auf die Muttersprache Deutsch. Kognitives Leistungsvermögen, vor allem im Hinblick auf mathematisches Denken und ein räumliches Verständnis sollen die Interessenten an einer Berufsausbildung bei Audi mitbringen. Wichtig ist natürlich auch die Bereitschaft zu lebensbegleitendem Lernen.

Impuls: Die Zukunft der Berufe wird oft kritisch beurteilt. Brauchen wir auf Dauer noch Berufe?
Widuckel: Ich glaube, dass sich Berufe stärker verändern werden, aber Beruflichkeit als Arbeitshaltung und Arbeitstugend halte ich nach wie vor für sehr wichtig. Beruflichkeit hat sehr viel mit Leistungsorientierung, Disziplin und Identitätsbildung zu tun. Wir wollen die Tugenden, die das Berufskonzept vermittelt, nicht aufgeben.

Impuls: Audi steht im weltweiten Qualitätswettbewerb, Sie haben verschiedene Standorte. Sind die Deutschen noch wettbewerbsfähig?
Widuckel: Wir sehen die Aufwendung für Berufsausbildung als Investition, nicht als Kosten. Damit schaffen wir eine wesentliche Basis für die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Letztendlich sind nur leistungsfähige Mitarbeiter in der Lage, effizient und produktiv zu arbeiten. Effizienz und Produktivitätsorientierung, das sind die besten Wege, um die Kosten im Griff zu behalten.

Impuls: Trotzdem gibt es doch immer wieder lautstarke Verfechter einer Verlagerung ...
Widuckel: Wir haben zwar die Personalkosten im Blick, wir nutzen auch die Möglichkeiten an Standorten wie in Ungarn, an denen wir deutlich niedrigere Personalkosten haben, auf der anderen Seite schätzen wir die hohe Kompetenz, die gute Infrastruktur und die Rechtssicherheit, die wir am Standort Deutschland haben. Die Beschäftigung an den beiden Standorten in Deutschland zu sichern ist für uns wesentliche Unternehmensaufgabe und Bestandteil unserer Vereinbarung "Zukunft Audi". Audi hat starke Gene in der Tradition des deutschen Automobilbaus. Diese Stärken wollen wir nicht aufgeben.

Impuls: Sie waren früher Welt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG. Wie erleben Sie den Wechsel?
Widuckel: Ich habe natürlich eine andere Funktion, die unternehmerischer angelegt ist als die Aufgabe, die ich als Betriebsrat und Interessensvertreter hatte. Aber im Endergebnis gibt es eine Schnittstelle: Nur ein wettbewerbs- und leistungsfähiges Unternehmen kann die Beschäftigung der Mitarbeiter sichern. Das habe ich auch als Betriebsrat schon gewusst. Zweitens arbeiten beide Seiten für die Menschen im Unternehmen.


Quelle: IMPULS, November 2007.



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