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Aufruf zum Weltfriedensgebetstag 2008

Friede ist der Weg zur Menschheitsfamilie.

Der Traum der Menschheitsfamilie in der Einen Welt scheint zum Greifen nahe:

Die Globalisierung propagiert ihn ökonomisch, Medien und Internet lassen ihn Wirklichkeit werden, weltweite Reisen überwinden scheinbar mühelos alle Grenzen und Kulturen.

Und doch wächst ein weltweites Unbehagen:

Es scheint mehr Verlierer als Gewinner der Globalisierung zu geben, die Unterschiede in den Kulturen, Traditionen, Religionen, Lebensweisen, Menschenrechts- und ökonomischen Verhältnissen sind so offenkundig, dass sie in ihrer direkten Vergleichbarkeit zur gegenseitigen moralischen Anklage und politischen Herausforderung werden. Migrationstendenzen sind weltweit im Gange; die Vertriebenen durch globale Erwärmung und andere Umweltkatastrophen treten neben die kriegsbedingten Flüchtlingsströme.

Verteilungskonflikte um Rohstoffe, Wasser, neue Machtsphären zeichnen sich ab.

Man spricht von Handelskriegen; Geiselnahmen und Terrorattacken bedienen sich in perfider Form des Internets, um Mord und Folter anzudrohen und zu verherrlichen. Und manche Regierungen stehen dem in nichts nach, wenn sie ihre Medienkriege und Meinungsmanipulationen planen und durchführen.

Die Welt ist ein Marktplatz geworden:

ein Marktplatz der Ökonomie, der Eitelkeiten, der Täter- und Opfergeschichten, der „guten“ und „bösen“ Geschichten….

Aber gerade darum liegen heute Segen und Fluch der Einen Welt so nah beieinander.
Es ist richtig: je näher wir uns kommen, desto klarer haben wir auch Konflikte zu bestehen.
Aber genau darum geht es: sie zivilisatorisch zu bewältigen und auszutragen.

Manchmal erscheint es, als hätten wir seit der Kolonialisierung und Eroberung der „Neuen Welt“ nicht viel gelernt. Das „Andere“ wird immer noch leicht verdächtigt und das Eigene unkritisch überhöht. Wir wissen viel und verstehen wenig. Die ideologischen und Verständnisgräben wachsen, weil es zu wenige offene Palaverplätze gibt.

Der „Kampf der Kulturen“ wurde schon herbeigeschrieben!

Zwar ist ihr „Erfinder“ Huntington mittlerweile wissenschaftlich marginalisiert und widerlegt, aber seine These bleibt politisch doch höchst wirksam und gefährlich als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn denn die Form der Macht- und Militärpolitik des letzten Jahrzehnts anhalten sollte.

Wir brauchen Dialog statt „Krieg gegen den Terror“ — unter dieses Motto stellt pax christi seine 60-Jahr- Feier 2008.

Die Tatsache des weltweiten Zusammenwachsens ist ein unaufhaltsamer politischer, ökonomischer und kultureller Prozess.
Es gilt ihn aber nicht länger der Macht der Stärkeren zu überlassen, sondern ihn demokratisch zu gestalten.

An uns allen liegt es, Menschheitsfamilie zu werden — und das fängt bei der „Einen Welt im eigenen Land“ an, bei der Akzeptanz von Mitmenschen anderen Glaubens, anderer Hautfarbe, anderer „Weltanschauung“. Die „Menschwerdung der Menschen“ (Teilhard de Chardin) und das Werden der Menschheitsfamilie (Papst Benedikt XVI.) schreiten nicht von selbst voran; es bedarf unserer aller Hilfe, Entschiedenheit und Kenntnis in der eigenen Tradition ebenso wie der Toleranz und interessierten Gesprächsbereitschaft gegenüber dem „Anderen“.

Weder Schmelztiegel noch Parallelgesellschaften können uns dem näher bringen,
sondern die Achtung und Pflege der Vielfalt der „Einen Welt“.

Aus unserem kleinen blauen Planeten die Heimstatt aller zu machen,
die darauf geboren werden:
Dies ist für uns jesuanisch-christliches Urgut - neutestamentlich verbürgt.

Dr. Reinhard J. Voß, pax christi





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